Die sich selbstkrankmachende Gesellschaft

Dieser Artikel wird hier nun etwas aus dem Rahmen fallen, aber ich finde dieses Thema derart interessant, das ich es hier gern einmal näher behandeln möchte. In der Quintessenz werde ich auch noch eine Umlage auf die IT-Welt machen. Aber nun zum eigentlichen Thema.

Psychische Krankheiten nehmen rasant zu

Es ist in unserer Gesellschaft nichts Neues, das psychische Leiden immer mehr zunehmen. Viele Menschen leiden mittlerweile unter Depressionen und Burnout durch den täglichen Alltags- und Berufsstress. Nur wenige können ihrem Traumberuf freudestrahlend nachgehen. Hinzukommen dann noch alle anderen möglichen Unzufriedenheitsgefühle. Von psychischen Erkrankungen sind aber nicht nur Erwachsene betroffen, sondern vermehrt auch kleine Kinder, bis hin zu Jugendlichen.

Der Gedanke der Volkskrankheit lässt sich an diesem Punkt nicht mehr verleugnen. Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen versuchen sich bereits seit Jahren an der Ursachenforschung. Die Ergebnisse gehen jedoch meilenweit auseinander.

Fehldiagnosen als eine gravierende Ursache

Psychopharmaka
Psychopharmaka
(Quelle: Sponge,
Liz. CC BY-SA 3.0)

Nicht selten kommt es vor, dass ein Patient als beispielsweise depressiv abgestempelt wird und es in Wirklichkeit gar nicht ist. Das kann daher kommen, das ein zweitklassiger Psychologe gar nicht mehr in der Lage ist, richtig zu unterscheiden, ob es sich nun um eine handfeste Depression handelt oder gar nur um eine leichte Gemütsverstimmung. Die Möglichkeiten auf „Heilung“ diffundieren hier stark auseinander. Sehr rasch wird dann zu Psychopharmaka gegriffen und der Patient einfach ruhiggestellt.

Anstatt eine korrekte Diagnose zu stellen und zu versuchen herauszubekommen, wieso der Patient eben so schlecht gelaunt ist. Meist werden mit Medikamenten die Symptome nur noch verschlimmert, bzw. weitere psychische Erkrankungen hervorgerufen. Denn mir kann keiner weiß machen, dass zum Beispiel Antidepressiva das Allheilmittel einer jeden Depression sind. Die Menschen werden damit zu absolut emotionslosen lebenden Zombies.

Wo fängt eine psychische Krankheit an?

Eine sehr wichtige Frage ist, wie ein psychisches Leiden definiert werden muss. Können 2 Tage miese Laune als eine Depression angesehen werden? Wenn man morgens eher ungern aufsteht, weil das Bett so gemütlich ist, leidet man dann an einer Antriebsschwäche oder gar einem Burnout? Fragen über Fragen, viele Antworten und doch wenig Klarheit. Mittlerweile gibt es so viele psychische Erkrankungen, dass quasi jeder Mensch in unserer Gesellschaft eine geistige Störung hat. Also müssten wir uns wohl alle in Therapie begeben.

Die Gesellschaft macht sich selbst krank

Burnout, ADHS, Depression und was es nicht alles an Störungen gibt, sind nur die Ausuferungen und Reaktionen auf das eigentliche Kernproblem. Die Gesellschaft selbst ist hier der Störfaktor, der viele Menschen krankmacht bzw. krankmachen möchte. Denn, was früher als vollkommen normal galt, ist heute eine Erkrankung. Daher will ein Kind nicht mehr gerne in die Schule gehen, dann leidet es wohl an einer Art Schulphobie. Also schleift man das Kind zum Psychologen und der verordnet dann ein paar Wunderpillen und 10 Sitzungen à 60 Euro und danach gilt das Kind als therapiert und geheilt.

Liegen nun wirkliche Burnout-Fälle vor, werden diese immer noch nicht so ernst genommen, wie es eigentlich sein sollte. Meist redet man von einer Modeerscheinung oder Phase, die wieder vorbei gehen würde. Meist ist das aber nicht so und die Ärzte wissen oft auch nicht, wie man da richtig behandeln sollte. Deshalb wird nur irgendein Medikament verabreicht und ein paar Stunden beim Psychologen sollen es dann richten.

Auch soziale Netzwerke machen krank

Wer den ganzen Tag nur in Facebook, Twitter und Co. unterwegs ist und sich dort weitestgehend seine Freunde sucht und mit diesen in Kontakt bleiben will, der schottet sich unter Umständen von seiner Außenwelt ab. Oft sind diese Menschen aber vorher schon vorbelastet, sodass dieser Wandel dann eher eine Reaktion auf die bereits vorhandene psychische Erkrankung anzusehen ist. Wer schon soziale Netzwerke nutzt, der sollte diese parallel laufen lassen bzw. mit seiner realen Welt verknüpfen und dadurch einen fließenden Übergang schaffen.

Screenshot Facebook Timeline
Screenshot Facebook Timeline

Leistungsdruck und Erfolgsoptimierung

Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Das wurde schon oft gesagt und ja, es stimmt. Grundsätzlich ist das auch nicht unbedingt schlecht, denn wir müssen etwas leisten und beitragen, damit sich unsere Welt verändert und verbessert. Ich meine, wer hat denn nicht gerne gute Schulnoten? Aber was passiert heute, wenn es Vieren, Fünfen oder gar Sechsen sind. Dann hat es das Kind meist schwer, weil es runtergeputzt wird und deutlich zu spüren bekommt, du bist dumm.

Das setzt der Psyche eines heranwachsenden Menschen schon sehr zu. Dann sind Kinder meist auch keine Engel und ärgern sich gegenseitig. Auch das hinterlässt seine Spuren. Im späteren Berufsleben steigert sich das dann noch weiter und es wird immer mehr von einem abverlangt. Dazu noch unfreundliche Kollegen und ein gestresstes und unangenehmes Arbeitsklima und die Wege zum Burnout und Depressionen sind optimal.

Der Ausweg aus der Aussichtslosigkeit

Bekommt man nicht die Chance seinen Traumberuf auszuüben oder Freude an seiner auszuübenden Tätigkeit zu finden, dann sollte man sich in der Freizeit seine Glücksmomente schaffen. Daher schadet es nicht, sich ein schönes Hobby zu suchen, was vielleicht auch noch entspannt. Glücklich machen muss es aber in jedem Falle. Sei es zum Beispiel Motorad fahren, Modellflugzeuge bauen oder angeln. Aber auf den Gedanken, den Leistungs- und Erfolgsdruck zu minimieren, kommt keiner. Das wird schlichtweg gar nicht erst in Betracht bezogen.

Ich bin kein Psychologe, aber ich denke doch, dass viele „Erkrankungen“ heutzutage mit ein wenig mehr GMV kompensiert werden können und man einen anderen nicht gleich zum psychischen Wrack erklären muss. Medikamente sind und sollten das letzte Mittel sein. Den Großteil einer Behandlung muss die richtige Diagnose und Ursachenforschung in jedem speziellen Fall ausmachen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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