Groupware Tine 2.0 Milan angetestet

Neben FengOffice gibt es natürlich auch noch andere Groupware-Anwendungen. Tine 2.0 ist eine weitere. Diese möchte ich ebenfalls einem kleinen Test unterziehen. Die Webanwendung kenne ich auch schon länger und mit der neuen Version, die Anfang März herauskam, wurde endlich eine Dateiverwaltung hinzugefügt. Dazu gibt’s noch verbesserte Synchronisation via Smartphone und einige neue Protokolle wie CalDAV und CardDAV. Klingt schon mal vielversprechend, doch wie sieht es nun in der Praxis aus?

Die Installation ist etwas komisch

Die Installation lässt sich nicht so simpel wie bei FengOffice durchführen. Zunächst muss man die setup.php aufrufen und sich dann durch den Installationsprozess klicken. Auf mich wirkte es wenig ansprechend. Wer mehr Module in Tine 2.0 nutzen möchte, der muss diese nach der Installation aktivieren. Später soll das auch noch möglich sein, man muss aber wieder auf eine andere Oberfläche wechseln. Warum nicht ein Menu, wo ein Administrator nach Herzenslust schalten und walten kann?

Tine 2.0 Datenbankeinstellungen Tine 2.0 Module installieren
Tine 2.0 Installation

Tine 2.0 stimmt nicht ganz

An dieser Stelle erlaube ich mir eine kleine Namensänderung und Tine wird zu Tiny. Nur dumm, dass genau das nicht hinkommt. Die Webanwendung ist schon mal schlanke 70 MB klein und auf einem lokalen XAMPP läuft die Groupware eher unflüssig den Bach hinunter. Daher sollte man bei dem Namen besser nicht an winzig denken, das trifft auf Tine 2.0 eindeutig nicht zu.

Tine 2.0 Login Tine 2.0 Oberfläche
Tine 2.0 Login und Oberfläche

Bei einem früheren Test stieß ich auf dieselben Probleme. Designtechnisch hat man auch nicht wirklich was getan, man sieht auf den ersten Blick, das dort Ext JS 4 zum Einsatz kommt. An für sich nicht schlimm, nur kenn ich auch andere Anwendungen, die dann fast gleich aussehen. Finde ich persönlich dann eher leicht irritierend.

Filemanager mehr Flop als Top

Die Dateiverwaltung macht auf den ersten Blick einen passablen Eindruck. Bei genauer Betrachtung fällt aber auf, dass es wirklich ein reiner Filemanager ist. Sprich, Dateien hochladen, umbenennen, löschen, verschieben und wieder runterladen. Mit Bildern anschauen oder Ähnlichem ist da nix. Für eine Groupware mit so einer Funktion finde ich das einfach etwas mau. Da muss noch weiter ausgebaut werden. Auch die Geschwindigkeit macht sich vermutlich dank dem Zend Framework wieder negativ bemerkbar.

Tine 2.0 Dateiverwaltung
Tine 2.0 Dateiverwaltung

Weitere Grundfunktionen im Test

Sonst bietet Tine 2.0 noch ein E-Mail Modul, einen Kalender, Aufgaben und ein Adressbuch mit an. Im Prinzip alles, was eine Groupware standardmäßig können sollte. Zudem gibt es für Unternehmen noch Module wie: CRM, Sales, Zeiterfassung und Projekte. Damit sollte Projekt- management und Kalkulation auch online realisierbar sein. Jedenfalls, wenn es sich um kleinere Unternehmen handelt.

Tine 2.0 E-Mail Tine 2.0 Kalender
Tine 2.0 E-Mail und Kalender

Etwas blöd wurde das Erstellen von neuen Einträgen gelöst, diese öffnen ein neues kleines Browserfenster und gehen nicht im Selben als Popup auf. Zudem werden viele Warnhinweise und zusätzliche Fragen angezeigt, wie etwa, ob man einen Termin anlegen möchte oder nicht. Das stört den produktiven Workflow doch erheblich.

Tine 2.0 mit Mehrfenster-Modus
Tine 2.0 mit Mehrfenster-Modus

Fazit und Meinung

Tine 2.0 ist in meinem Test eigentlich durchgefallen. Zwar finden sich viele gute Ideen und Ansätze darin wieder, nur die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Es fehlen auch viele kleine Funktionen und Integrationen mit anderen Modulen. Wenn ich diese Groupware mit FengOffice vergleiche, dann fällt Tine 2.0 Erstrecht durch. Ich empfand es als sehr störend, das im Test die Geschwindigkeit auf einem lokalen XAMPP-Server über USB-Stick so langsam war. Das zeigt vermutlich schon, dass Tine auf einem Webserver wohl einiges an Serverlast produzieren würde.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

2 Kommentare

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  1. Kommentar von ElDuderino · · #

    Nunja, “durchgefallen” auch nur weil Dein Augenmerk im Vergleich auf Feng Office liegt. Tine20 ist eine Groupware und keine Bürosoftware Suite. Sie ist vollständig kostenlos, läuft auf einem “richtigen” Webserver (xampp ist eher schlecht als recht und höchstens als Testumgebung zu empfehlen) angenehm zügig und kann im Gegensatz zu seinen ganzen Pendants zuverlässiges ActiveSync und mittlerweile webDAV. Alles für Lau und mit einer gute Community auch durch die Entwicklern fleißig beraten. Eine rund um tolle Software

  2. Kommentar von reraiseace · · #

    Danke für deinen Kommentar. Sagen wir mal so, ich habe beide Groupwares miteinander verglichen, das ist schon richtig. Eine Groupware hat Unteranderem auch die Funktion büroähnliche Aufgaben zu erledigen. E-Mail, Kalender, Aufgabenplanung, all das sind bürotypische Aufgaben. Sowohl Feng Office, als auch Tine20 bieten das an. XAMPP nahm ich nur, um es schnell mal testen zu können. Auf einem Webserver wird es sicherlich flüssiger laufen. Nur wenn es in einer lokalen Testumgebung schon recht lang lädt, dann schaut es online auch nicht so sonderlich viel besser aus.

    Wie dem auch sei, der Test ist nur meine subjektive Meinung und jeder kann nutzen, was er am liebsten mag. Den einen oder anderen Vorteil bietet Tine20 natürlich auch. Mein Favorit ist weder Tine20, noch Feng Office.