Stiftung Warentest macht sich unbeliebt

In der April-Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest wurden 14 kostenpflichtige Antivirenprogramme und 4 kostenlose Pendants von namenhaften Entwicklern getestet. Der Test selbst wirft nun erhebliche Fragen auf, denn Avira gewinnt den Test und G Data und Kaspersky landen auf den Plätzen zwei und drei. Der Rest ist mehr oder weniger durchgefallen. Einer der großen Verlierer dieses Testes ist die Firma Symantec. Das ist an für sich schon sehr verwunderlich. Wie kann ein Spezialist, ähnlich wie Kaspersky, deutlich schlechter abschneiden?

Stift und Warentest mit erheblichen Testfehlern

Ich habe mir die neue Heftausgabe genauer angesehen und mir auch den Test durchgelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Testbericht mit gerade einmal 4 Seiten sehr kurz ist. Genauer gesagt eine Tabelle, die über zwei halbe Seiten geht und der Rest ist etwas unnützes “Geschwafel”.

Symantec
Symantec (Quelle: mmckeay, Liz. CC BY-SA 2.0)

Man verzeihe mir an der Stelle meine Wortwahl, aber besser kann ich es nicht auf den Punkt bringen. Eigentlich kann sich der Leser nur auf die Testtabelle beziehen und mehr auch nicht. Diese ist nicht aussagekräftig und bei genauerem Begutachten sticht einem ins Auge, dass der Test wohl nicht korrekt abgelaufen ist.

Testverfahren nicht ausreichend

Die Testbedingungen wurden im Bericht kurz beschrieben und sind meiner Ansicht nach nicht ausreichend definiert. Zudem wurden auch Tests gemacht, wo auf eine aktive Internetverbindung verzichtet wurde. Zugegeben kommt das gelegentlich einmal vor, jedoch wird es eher kaum noch einen PC oder ein Notebook geben, dass über keinen Internetzugriff verfügt. Dieses Schwarz-Weiß-Denken sollte man endlich ablegen und sich den Standards der heutigen Zeit anpassen.

Spyware
Spyware(Quelle: bodycoach2, Liz. CC BY 2.0)

Virenschutz von Norton nur ausreichend

Stiftung Warentest bewertete den Virenschutz von Norton Internet Security 2012 mit einer 3,8 (ausreichend). Das kann einfach nicht möglich sein. Zum andern wurde dieses Kriterium als eine Abwertung deklariert, wodurch das Gesamtergebnis für die Sicherheitssoftware von ebenfalls 3,8 zustande kommt. Wer das Unternehmen kennt, dem ist klar, dass dieses Testergebnis nicht der Realität entsprechen kann. Da ist es dann auch nur allzu verständlich, dass sich das Unternehmen das nicht gefallen lässt.

Avira der klare Testsieger

Verwunderlich ist der Testsieger. Mir ist unbegreiflich wie gerade Avira im Test so derart gut abschneiden kann. Seit Jahren ist bekannt, dass gerade auch in der kostenlosen Version die Nutzer mit Werbung regelrecht penetriert werden. Zum andern ist die Bedienung des Programms immer noch eine halbe Katastrophe. Gerade Kaspersky ist in diesem Punkt deutlich besser oder auch avast.

Avira Werbung
Avira Werbung (Quelle: adria.richards, Liz. CC BY-SA 2.0)

Daher kann es nicht sein, das Avira in diesem Punkt mit 1,6 die Bestnote bekommt. Die Virenerkennung ist zwar nicht schlecht, aber aus meiner Erfahrung auch nicht überdurchschnittlich gut. Aus älteren Testberichten geht eindeutig hervor, das G Data die meisten Viren erkennt und im kostenlosen Bereich avast die Nase vorn hat. Das betrifft auch den Rundum-Komfort.

Offener Brief der Antivirenhersteller an Stiftung Warentest

Drum schrieb man jüngst einen offenen Brief an Stiftung Warentest. Daran beteiligten sich weitestgehend alle Hersteller, die im Test schlecht abgeschnitten haben, wie McAfee, Symantec, Trend Micro usw. Aber auch Kaspersky, die im Test mit 2,4 (gut) bewertet wurden, beteiligen sich daran. Es wird unter anderem kritisiert, dass das Testverfahren nicht ausreichend dokumentiert sei und die Testmethoden nicht dem modernen Zeitalter entsprechen.

Kaspersky Fahne
Kaspersky Fahne (Quelle: david.orban, Liz. CC BY 2.0)

Einzelne Funktionen zu testen, sei nicht sinnvoll, denn bei einem Antivirenprogramm kommt es eher auf das Gesamtpaket an. Die 8 Unterzeichner des offenen Briefes fordern nun eine Richtigstellung im nächsten Heft des Test-Magazins. Erste Vorwürfe der Hersteller wurden von Stiftung Warentest eiskalt abgewiesen. Nun bleibt abzuwarten, was der Brief bewirkt.

Stiftung Warentest lenkt nicht ein

Die Reaktion auf den offenen Brief kam prompt. Stiftung Warentest weißt natürlich weitestgehend alle Vorwürfe von sich. Die Antivirenprogramme wurden unter Praxisnahmen und aktuellen Testbedingungen geprüft und genauso, wie sie ein Endverbraucher wohl verwenden würde. Zudem lege man auch Wert darauf, dass ohne eine bestehende Internetverbindung Schädlinge erkannt werden. Es wurden 1.800 Schadprogramme getestet, für Stiftung Warentest war das ausreichend und auf Fehlalarme wurde nicht getestet.

Windows 7 Ultimate
Windows 7 Ultimate (Quelle: michperu, Liz. CC BY 2.0)

Die Diskussion scheint damit wohl noch weiter zugehen und ich persönlich finde die Argumentation von Stiftung Warentest nicht haltbar. Das sieht beinahe ein Blinder ohne Krückstock, das dort vieles schief gegangen ist und man nun nicht genügend Anstand und Mut hat, dazu zu stehen. Ich empfehle dann schon eher AV-Test oder andere renommierte Testunternehmen, die sich wenigstens mit der Materie auskennen.

Weitere Informationen dazu findet Ihr auf Golem.de oder über die Google Suche.

Anmerkung Leider ist es mir aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, vereinzelt Teile aus dem Bericht in Bilderform zur Verfügung zu stellen. Wer den Testbericht lesen möchte, muss sich die aktuelle Ausgabe von Stiftung Warentest kaufen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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