Hacken, Demos und von nix ne Ahnung

Erst vorgestern durfte ich es wieder lesen. Einige “schlaue Leute” sind doch tatsächlich auf die Idee gekommen der CDU in Ratingen (NRW) so richtig eins reinwürgen zu wollen. Diese hatte sich drei Domains gesichert, piratenratingen.de, piraten-ratingen.de und piratenparteiratingen.de, diese leiteten nicht zur Piratenpartei weiter, sondern zur CDU. Gut darüber kann man sich nun aufregen und rechtlich ist diese Situation auch nicht einwandfrei, jedoch sollte das nicht der Anlass zum freudigen hacken sein.

Für Hacker ist das nur Spaß

Trotzdem konnten es einige nicht lassen und brachen in die Server ein. Die Administration der CDU in Ratingen schlief auch gehörig, denn der MySQL-Server war via Web erreichbar und die Konfigurationsdatei der Webseite ebenso. Das sind so gesehen grobe Anfängerfehler. Trotzdem sollte das kein Anlass für einen Angriff darstellen. Das sollte man jedenfalls mit ein bisschen gesundem Menschenverstand meinen.

Anonymous Hacktivist
Anonymous Hacktivist (Quelle: gaelx, Liz. CC BY-SA 2.0)

Bei Hackern oder Skriptkiddies fehlt dieser manchmal einfach. Auch wird gerne vergessen, dass man sich schon mit dem bloßen Versuch in Deutschland nach dem §202c STGB strafbar macht. Eine Webseite nur zum Spaß zerstören zu wollen, weil einem die Art und Weise oder die Meinung eines anderen nicht passt, ist gelinde ausgedrückt kindisch und dumm.

Diskussion vs. Hack

Mir scheint so, als würden wir in der Zeit des Internetzeitalters das richtige Diskutieren und Argumentieren verlernen und wie pubertierende Kleinkinder andere attackieren, wenn uns ihre Nase nicht gefällt. In der Realität würde man sich das dreimal überlegen, denn da kann man viel leichter erwischt werden. Im Internet denken immer noch viele, sie seien dort anonym und könnten tun und lassen was sie wollen. Manch ein Hacker glaubt da bis heute noch dran und wundert sich, wenn auf einmal die Polizei vor der Türe steht.

Offene Türen rennt man nicht ein

Nur weil eine Tür gerade sperrangelweit offen steht, rennt man nicht gleich wie ein Besessener rein. Das gilt im realen Leben, wie auch im Internet. Der eine versteht es Sicherheitslücken zu finden, und diese korrekterweise zu melden. Auch wenn die Seitenbetreiber nicht immer nett reagieren, ist es doch ein korrekterer Weg. Wer den anderen Weg einschlägt und das nur aus Jucks und Dollerei betreibt macht sich strafbar und stört das Netzklima. Mittlerweile werden hacktivistische Angriffe als Protestakte bezeichnet, was nicht stimmt. Es handelt sich dabei um eine handfeste Straftat und das Ausnutzen von Sicherheitslücken.

Wogegen demonstriert man denn eigentlich?

Die ACTA-Demonstrationen und Fehlinterpretationen sind ein gelungenes Beispiel für fehlende Diskussionsbereitschaft und auch für die Verbreitung von Falschinformationen. Schaut man sich die Protestplakate einmal genauer an, dann fällt schnell auf, dass sich dort inhaltlich inkorrekte Passagen eingeschlichen haben. Hier ein Beispiel:

Anonymous ACTA-Protestplakat
Anonymous ACTA-Protestplakat

FALSCH – Aber so was von!

Das ACTA-Abkommen verabschiedet keine neuen Gesetze, zumal die Empfehlungen weitestgehend in Deutschland umgesetzt wurden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die deutsche Bundesregierung dem Abkommen zustimmt oder nicht. Es ist nur so, das sich der deutsche Bürger in seiner “Freiheit” beschnitten fühlt. Dagegen zu demonstrieren ist zwar richtig, allerdings unter dem Gesichtspunkt, dass andere Länder daraufhin die Ratifizierung aussetzen.

Erst denken und am besten nicht handeln.

Manch einer tut gut daran, einfach gar nichts zu tun und das Geschehen zu beobachten. Man sollte sich auch vorher immer gut überlegen, was man sagt, nicht dass am Ende etwas Falsches bei herauskommt. Das kann ganz schnell nach hinten losgehen.

Kommentare in Webforen oder Blogs neigen sehr oft dazu sehr gefühlsbetont zu sein und keinen Blick mehr für die Sachlichkeit und Klarheit der Worte zu beherbergen. Da verwundert es auch nicht, wieso es Anonymous etc. überhaupt geben kann. Das Hacken wird immer mehr zur Belustigung, welches es nicht sein sollte.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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