Die ARD und das Facebook-Debakel

Am Montag strahlte die ARD die Dokumentation “Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft” aus. In Zusammenarbeit mit der BBC, welche vermutlich die Aufnahmen aus der Facebook Firmenzentrale beisteuerten, entstand ein 45-minütiger Film. Ich habe mir die Doku nun auch angeschaut und möchte in Form dieses Artikels, meinen Senf dazu geben.


ARD Doku Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft

Sachliche Doku, eine Hoffnung bleibt

Bereits vor der Ausstrahlung war ich sehr skeptisch. Denn ich kenne die Berichterstattung der ARD mittlerweile recht gut, um sagen zu können, dass diese meist nicht sachlich gehalten ist. Auf der Online-Plattform des Fernsehsenders gab es zuvor einen fünf minütigen Trailer. Diesen schaute ich mir an und es klang erst einmal nicht so schlecht. Zwar mit Vorsicht zu genießen, aber ich baute darauf, dass die ARD diesmal eine gut durchdachte und sachlich gehaltene Dokumentation abliefern würde.

Facebook ist böse und will nur deine Daten

Ich wurde mehr als nur enttäuscht. Bereits nach den ersten paar Minuten wollte ich am liebsten abschalten. Von Beginn bis zum Ende zog sich immer wieder ein negativer roter Faden durch die Dokumentation. Kurz gesagt: Facebook ist ein böses Unternehmen und Mark Zuckerberg möchte nur Kohle mit persönlichen Daten machen. Das stimmt zwar in gewisser Hinsicht auch, aber das ist eben nur eine Seite der Medaille. Zwar wurde auch angesprochen, das Facebook ebenfalls ein Kommunikations-Tool ist und Menschen miteinander verbindet, aber durch die unterschwellig negative Betonung der Sprecher eher kritisiert.

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg (Quelle: deneyterrio, Liz. CC BY 2.0)

Permanent wurde darauf herumgeritten, das Facebook nur scharf auf unsere persönlichen Daten sei, um mit personalisierter Werbung Geld zu verdienen. Komischerweise regt sich keiner derart über Google. auf. Was nämlich die Online-Werbung angeht, ist Google mit satten 44,1% im Jahre 2010 deutlich stärker vertreten, als Facebook mit 3,1%. Daher sollte sich die Frage stellen, wer verdient mehr Geld mit Kundendaten. Auf diesem Aspekt will ich aber nun nicht weiter herumreiten.

Facebook bietet auch Vorteile und Mehrwert

Zu Facebooks Stärken gehört ganz klar, dass das soziale Netzwerk Menschen miteinander zusammenbringt. Das bietet mitunter den Vorteil, dass die Kinder vielleicht in einem anderen Land leben und die Eltern eben über Facebook den Kontakt gut aufrecht halten können. Zudem kann man weltweit neue Personen kennenlernen. Politiker oder Promis können gezielter Ansprechen und angesprochen werden. Künstler, die noch nicht bei einer Plattenfirma unter Vertrag stehen oder nicht so bekannt sind, können Facebook als Vermarktungsplattform und Kommunikationskanal nutzen. Das alles sind positive Aspekte, die die ARD ausgespart oder gar ganz weggelassen hat.

Alles eine Frage der Nutzung

Den Faktor Mensch hat man ebenfalls voll kommen außer Acht gelassen. Es schien mir so, dass sie sich dort ein paar Menschen herausgepickt haben, die sich anscheinend nicht gut genug mit dem Medium Internet auskennen. Okay werden wieder viele denken, das ist der Durchschnittsmensch. Gut meinetwegen, aber trotzdem kann man hier nicht alles auf Facebook schieben. Wenn der DAU eben so schlau ist und alle seine privaten Daten und Bilder ins Facebuch wirft, dann ist doch wohl eher er daran schuld. Als intelligenter Mensch sollte man auch den GMV verwenden und darüber nachdenken, was in die Öffentlichkeit gehört und was nun eben gerade nicht.

Social Sharing
Teilen (Quelle: Intersection Consulting, Liz. CC BY-NC 2.0)

In der Hinsicht müsste mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden und nicht wie der gute Herr Weichert immer noch von der 100-%-Schuld Facebooks überzeugt ist. Die Psychologin, die sich die ARD an Land gezogen hat, verkörperte das typische Bild ihres Berufsstandes. Grundaussage von ihr: Die Menschen sind süchtig und wissen nicht, was sie tun. Das Facebook-Prinzip ist nichts weiter als ein Geschäftsmodell. Das möchte ich auch nicht weiter kommentieren, denn Psychologen drehen einem bekanntlich immer die Gedankengänge im Kopf herum.

Schlusszusammenfassung und Fazit

Die Doku hat mich wirklich krankgemacht und das schreibe ich auch so unverblümt. Der einzige Zweck dieser grauenvollen 45 Minuten war es, uns zu zeigen wie niederträchtig und fies doch Mark Zuckerberg ist. Eine seriöse und vor allem sachliche Berichterstattung sieht anders aus. Die Grundhaltung war von Beginn an vorgegeben, da hat die ARD wirklich gründlich was verbockt. Dem Normalo wurde damit ein Bild skizziert, welches ihn dazu verleitet, fälschlicherweise nur negativ von Facebook zu denken. Das Gute daran wird eher untergehen und Horrorfantasien werden überwiegen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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