Wahre Worte, aber an der Realität vorbei

Vor zwei Tagen war der Safer Internet Day in aller Munde. So beteiligen sich BSI, Firmen und Institutionen daran, den Bürger bzw. Nutzer vorwiegend über Risiken im Internet aufzuklären und zu sensibilisieren. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie einfach es doch ist, sich als “Experte” hinzustellen und eine schön formulierte Aussage von sich zu geben. Im Grunde ist die meist auch richtig, doch wenn man den Blick auf die Realität lenkt, dann kollidiert diese oftmals mit dem Istzustand.

IT muss reibungslos funktionieren

Dabei sei “das reibungslose Funktionieren dieser Informationstechnologie für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ein Faktor von essenzieller Bedeutung”, erklärte die Behörde [BSI] am Freitag in Bonn.(via)

Das trifft den Nagel auf den Kopf, genauso soll es bei uns aussehen. Aber halt, die Realität spielt uns hier einen gehörigen Streich. Keineswegs kann davon gesprochen werden, dass unsere IT-Sicherheit in Deutschland super ist.

Hacker Dojo
Hacker Dojo (Quelle: mightyohm, Liz. CC BY-SA 2.0)

Der Katastrophentest LÜKEX 2011 hat wieder einmal bewiesen, wie ungeschützt wir doch sind. Erst vergangene Woche nahm die Polizei in Nordrhein-Westfalen ihre komplette Internetpräsenz vom Netz aus Angst vor einem Hackerangriff. Das Vorgehen ist an sich nicht falsch, aber ein “reibungsloses Funktionieren” war anschließend nicht mehr möglich. Da sieht man, wie sehr diese durchaus richtige Aussage hinkt.

Eltern in der Vorbildfunktion fürs Web

“Mütter und Väter sollten die Online-Gewohnheiten ihrer Sprösslinge beobachten, um ihnen eine verantwortungsvollere Nutzung von sozialen Netzwerken vermitteln zu können”, sagte der Gründer des Dienstes secure.me, Mario Grobholz.(via)

Herr Grobholz sagt nun genau das, was passieren sollte, aber im Alltag auf der Strecke bleibt. Es ist eben nicht so, das sich die meisten Eltern darum kümmern, was ihre Kinder im Internet machen. Man darf auch nicht erwarten, dass sie ihrem Nachwuchs den verantwortungsvollen Umgang damit und vorwiegend mit sozialen Netzwerken zeigen können.

Der Grund ist banal, sie können damit meist selbst nicht richtig umgehen. Entweder weil sie die Dienste nicht nutzen und keine Ahnung haben oder sie verwenden Facebook und Konsorten, aber denken nicht über Datenschutz oder Ähnliches nach. In den Schulen ist es leider noch nicht ausreichend thematisiert worden, das genau in diesen Punkten Aufklärungsbedarf besteht. Das kommt aber offensichtlich so langsam in die Gänge.

Social Media Tag Cloud
Social Tag Cloud (Quelle: daniel_iversen, Liz. CC BY 2.0)

Erst kürzlich saß ich in der Straßenbahn und hinter mir eine Mutter mit ihrem Kind. Der Kleine war höchstens 6 Jahre alt und fragte die Mama, wie denn ein Computer funktioniere. Die Mutter konnte es ihm natürlich nicht erklären. Sie argumentierte damit, dass wir nicht wissen müssen, wie so was funktioniert, aber wir freuen uns, wenn es geht und wir es benutzen können. Da dachte ich mir: Yes, wie soll der Kleine später verantwortungsvoller mit dem Internet und dem PC umgehen als die Mutti?

Unwissende Nutzer, geklaute Daten

“Anwender können sich oftmals nur schwer vorstellen, dass es im Internet auch Kriminelle gibt, die sie ausrauben wollen”, sagte der Laborleiter der Sicherheitssoftware-Firma G Data, Ralf Benzmüller.(via)

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und Ralf Benzmüller trifft hier eine Aussage, die der Realität nicht nur verdammt nahe kommt, sondern sie widerspiegelt. Traurige Erkenntnis, aber nur so kann man eine Besserung erwirken, indem mit dem nackten Finger auf das Problem getippt wird. Viele Nutzer gehen viel zu sorglos mit Ihren Daten im Internet und der eigenen heimischen PC-Sicherheit um. Im realen Leben würde wir doch auch nicht das Haus verlassen und die Wohnungstür sperrangelweit offen stehen lassen.

Peng!, Willkommen in der Realität

Diese Aussagen sollen als Beispiele genügen. Sie zeigen doch recht gut, wie die Realität aussieht und wie manche in einer schönen Welt leben, die nicht existiert. Kann sie aber auch nicht, da mit beschönigenden Worten ein falsches Bild inszeniert wird. Demnach muss den Nutzern klar und deutlich gemacht werden, dass viele mit dem neuen Medium PC und dem Internet falsch umgehen. Man kann es den Menschen aber auch nicht zum Vorwurf machen, weil an vielen Stellen auch schlichtweg die falschen Tipps gegeben werden oder die Aufmerksamkeit nicht auf die richtigen Hinweise gelenkt wird.

Abschließend verlinke ich hier ein Interview von Bruce Schneier und der Computerwoche. Dort erklärt Herr Schneier sehr eindrucksvoll, wie IT-Sicherheit aussehen sollte. Nicht nur für ITler interessant, denn er setzt sich mit dem Thema auch gesellschaftskritisch auseinander.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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