Wie glaubwürdig ist Netz-Journalismus?

Aus gegebenem Anlass möchte ich mich heute einem Thema widmen, was mir recht häufig ins Auge springt. Ich lese fast jeden Tag Berichte über die IT-Welt auf verschiedenen Newsportalen und da kommt es recht oft vor, dass Seite A einen Sachverhalt etwas anders darstellt als Seite B. Der intelligente Leser wird sich nun denken, was stimmt denn jetzt? Fehlt das nötige Fachwissen, dann ist es schwer, die richtige Position zu finden. Oftmals wird dann einfach etwas als gegeben hingenommen, egal ob es stimmt oder nicht. Nehmen wir uns ein Beispiel, welches mir erst vor wenigen Tagen begegnete − die Schließung von Megaupload und anschließende Rache-Aktion von Anonymous.

Ist die Information wahr oder nicht?

Mein Vater berichtete mir per Telefon, das Megaupload geschlossen sei und das Anonymous das FBI gehackt habe. Diese Information hatte er von einer eigentlich renommierten Newsseite bezogen. Aus anderen Berichten ging hervor, dass es sich um DDoS Attacken handelte. Das ist zweifelsfrei kein Hack, sondern wohl eher eine Art des Protests. Wie kommt die besagte Seite nun dazu, dass es sich um einen Hack handele? Es scheint bald so, als würden es der Redakteur selbst nicht besser wissen oder aber er setzt darauf, dass es ansprechender klingt und mehr Leser auf die Seite zieht. Dass dabei Falschinformationen verbreitet werden, wird außer Acht gelassen. Für IT-Begeisterte aber eher unerfahrenere Menschen ergibt sich hier ein Problem. Sie bekommen ungewollt falsche Informationen eingetrichtert.


Megaupload Mega Song

IT-Psychologen im Einsatz

Ein weiteres Beispiel war ein recht ausführlicher Bericht über die Arbeitsweise von Megaupload. Komisch daran war, dass alles so formuliert wurde, als würde die Seite ihre Kunden im großen Umfang abzocken. Die andere Seite der Medaille, dass der Kunde dadurch Vorteile bekam, wurde heruntergespielt. Ebenso klingt nur ganz kleinlaut durch, dass Megaupload auch als legaler Dienst verwendet werden konnte. Auch hier zeigt der Netz-Journalismus wieder, wie einseitig die Berichterstattung doch ausfallen kann. Scheinbar hat auch jedes Newsportal das Potenzial mehr zu wissen, als die Betroffenen selbst, wenn man nach den Artikeln und Bewertungen der Situation geht.

Die Maske des Journalismus

Seriösität
Seriösität
(Quelle: truthout,
Liz. CC BY-NC-SA 2.0)

In erster Linie hat der Journalismus die Aufgabe den Leser zu informieren. Der Wahrheitsgehalt kann aber stark schwanken und eine Information wird meist nur in der Kernaussage richtig getroffen. Weiterführende Informationen müssen nicht korrekt sein. Artikel oder Berichte sind meist auch so abgefasst, dass sie Interesse beim Leser wecken wollen. Auf einfache Art erreicht man das beispielsweise mit dem Mittel der Angst oder das man etwas als „böse“ hinstellt. Im Zeitalter des Internets ist es zudem jedem möglich, sich als Nachrichtensprecher aufzuführen.

Bildung entsteht durch Bilden

Daher sollte jeder Leser versuchen abzuwägen, was nun richtig ist und was nicht. Weiß er nicht weiter, sollte er sich weitere Quellen suchen und mehr Informationen darüber sammeln und den Sachverhalt von allen Seiten beleuchten. Nur so kann man alle Zusammenhänge verstehen und sich ein eigenes Bild machen. Es darf nicht vergessen werden, dass auf den meisten Newsportalen der Journalismus beheimatet ist und der Wahrheitsgehalt dort nicht immer im vollen Umfang gegeben ist. Gerade im Internet ist die Korrektheit einer Information ein großes Problem.

Abschließender Tipp: Wer das Buch Der Macht-Code von Reiner Neumann und Alexander Ross noch nicht gelesen hat, sollte dies einmal tun. Das Buch vermittelt einem unter anderem wie einfach wir uns von Experten, Zahlen und einigen anderen Dingen blenden lassen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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