Datennichtschutz – ein offenes Wort

Erst vor zwei Tagen ist der offizielle Vertragstext zum kommenden Fluggastdaten-Abkommen zwischen der Europäischen Union und den USA ungewollt ins Internet gelangt. Was da drin steht, ist wirklich sehr interessant. Kurz gesagt: Datenschutz scheißegal. Harte Aussage, bringt es aber sehr gut auf den Punkt. Die Daten werden nach wie vor 15 Jahre gespeichert und sollen auch zur Strafverfolgung in den USA genutzt werden. Hinreichende Kontrollen über die Datenzugriffe und Datenabrufe gibt es so nicht. Nur oberflächliche Freigaben. Das Ganze erinnert an den allseits beliebten PATRIOT-Act. Die EU schaut zu und sieht den Datenschutz als gewährleistet an:

Die Vereinigten Staaten bestätigen, dass sie in ihren Datenschutzvorschriften über wirksame verwaltungs-, zivil- und strafrechtliche Durchsetzungsmaßnahmen verfügen. Quelle: golem.de

Facebook und Privatsphäre, die Wende?

Facebook möchte nun auch mehr auf Privatsphäre achten und begibt sich für 20 Jahre unter die Kontrolle der FTC. Damit folgt man nach langer Zeit auch Google und Twitter. Fragwürdig ist jedoch, wie Mark Zuckerberg von Privatsphäre reden kann, wenn sein Netzwerk eigentlich alles daran setzt, diese zu vernichten.

Mark Zuckerberg (Quelle: deneyterrio, Liz. CC BY 2.0)
Mark Zuckerberg (Quelle: deneyterrio, Liz. CC BY 2.0)

Er selbst sagte auch, dass er gern drauf verzichten kann. Seine Worte klingen jetzt ganz anders und was er mal gesagt habe, sei unwichtig. In seinem Blogeintrag schreibt er teilweise das Blaue vom Himmel. Facebook würde eine gute Entwicklung haben und Transparenz und Kontrolle für die eigenen Informationen bieten. Stimmt nur nicht. Aber als Geschäftsmann muss man eben auch einen Sachverhalt runterspielen können.

Gesundheitskarte – das brauchen wir

Gestern bekam ich von meiner Krankenkasse einen Brief. Ich solle doch bitte ein Passbild heraussuchen und es in beiliegendem Umschlag zurück an die Kasse senden. Was bekomme ich dafür zurück? Ja, richtig die Gesundheitskarte, die noch mehr sensible Daten über mich enthält und bei jedem Arztbesuch weiter gegeben werden. Das Passbild soll für mehr Sicherheit sorgen. Aha, das ist super. Ich werde ab jetzt auch überall ein Bild von mir draufkleben, weil es mehr Sicherheit bringt. Schützt ein Passbild vor Trojanern? Vielleicht wenn’s hässlich ist und sich der Trojaner vor ekelt.

Privatsphäre oder eher nicht?

Diese drei Dinge, aus dem aktuellen Geschehen des Webs und Alltags, haben genau eines gemeinsam – Datenschutz oder eher Datennichtschutz. Dieses Thema stößt bei vielen bereits auf taube Ohren. Die eigene Privatsphäre ist ohnehin nicht mehr bedeutsam. Nur dumm, das oft mit genau diesen Daten aus besagten Quellen Böses oder Ungewolltes angestellt wird. Bundestrojaner, Schnüffelsoftware in Smartphones und so weiter, sind demnach kein Phänomen mehr. Es wird wenig über die Risiken und Konsequenzen nachgedacht, stattdessen mehr und mehr preisgegeben.

Stasi 2.0 (Quelle: svensonsan, Liz. CC BY-NC-SA 2.0)
Stasi 2.0 (Quelle: svensonsan, Liz. CC BY-NC-SA 2.0)

Daten, die in Unternehmens und Staatlicher Hand sind, können nicht als sicher angesehen werden. Die Ergebnisse der Katraststrophenschutzübung Lükex werden eine überraschende Erkenntnis liefern: Wir sind nicht ausreichend vor Angriffen auf unsere IT-Infrastruktur geschützt. Wen wundert es, wenn man Standards von anno 1980 als Basis nimmt. Der gläserne Bürger nimmt immer mehr Gestalt an.

Wer ist schuld daran?

  • Der Bürger, der nicht auf den Datenschutz achtet oder achten will.
  • Die Gesellschaft, die für dieses Thema nicht genügend sensibilisiert ist.
  • Die Regierungen, da keine ausreichenden und eindeutigen Gesetzesgrundlagen geschaffen werden.
  • Unternehmen, die meinen, sie haben jegliche Freiheiten, ihre Kunden zu bespitzeln.

Wie kann man den gläsernen Bürger verhindern?

  • Anfangen auf korrekten Datenschutz zu pochen.
  • Nicht jeden Trend ohne vorheriges Nachdenken mitmachen.
  • Unternehmen und Regierungen unter Druck setzen, ihre IT-Sicherheit zu verbessern.
  • Der Nutzer soll als Kontrollmechanismus fungieren.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir immer noch in einer Demokratie leben. Jeder Bürger hat die Pflicht, die Aufrechterhaltung unserer Demokratie zu pflegen. Das scheinen viele gern mal zu vergessen.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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