Pornowelle auf Facebook

Als ich das heute Mittag auf netzwelt.de las, fühlte ich mich an die Geschichte mit den 250 GB erbeuteten Nutzerdaten erinnert (ich berichtete). Facebook wird seit rund 48 Stunden von Pornobildern und gewaltverherrlichenden Fotos überschwemmt. Das soziale Netzwerk scheint nur schwerlich in der Lage zu sein, etwas gegen diese neuartige Spamwelle zu unternehmen. Man ist stark auf meldende Nutzer angewiesen. Das spricht auch dafür, dass Bilder offenbar nicht gefiltert werden oder die Mechanismen kläglich versagen. Facebook wurde bereits Ende 2010 von einer solche Welle überrollt und ein gutes Jahr später scheint sich kaum etwas verbessert zu haben.

Facebook Screenshot (Quelle: netzwelt.de)
Facebook Screenshot (Quelle: netzwelt.de)

Wer aber steckt hinter dem Angriff? Darüber lassen sich nur Spekulationen anstellen. Es könnte Anonymous sein, aber auch eine Hackergruppe aus dem 4chan Forum. Fest steht auf jeden Fall eines, Facebook hat gerade arge Probleme. Jeder Nutzer sollte sich vor Augen führen, wie anfällig das Netzwerk für diese Angriffe ist. Mit dem harmlosen aber sehr wirkungsvollen Test der kanadischen Universität, wo man über Freundschaftsanfragen massenhaft Daten abgegriffen hat, verdeutlicht das nochmal. Zudem wurden auch nur rund 20% aller eingesetzten Bots erwischt und das auch nur, weil die Nutzer diese als Spam gemeldet haben. Man muss die Sicherheit von Facebook wirklich in Frage stellen. Es ist nicht alles nur auf unbedarfte und unerfahrene User zurückzuführen.


Satire-Video von Alexander Lehmann

Facebook verfolgt dich immer und überall

In meinen Augen sollte man gegen Facebook den Aufstand proben, dass sie die Sicherheit in ihrem Netzwerk endlich verbessern und nicht mehr und mehr daran arbeiten, wie man seine Nutzer am besten tracken kann. Herr Casper vom ULD Hamburg hatte vor einigen Wochen recht ausführlich prüfen lassen, was Facebook mit seinen Cookies macht bzw. was man damit bezweckt. Er kam zu dem Schluss, dass diese nicht wirklich der Sicherheit, sondern eher der Nutzerverfolgung dienen. Man bekommt nach dem Logout bei Facebook eine eindeutige Kennung zugeschrieben, diese ist für 2 Jahre gültig und wenn man sich wieder einloggt, bekommt man eine neue Kennung. Ich habe mir die gut 55-seitige Dokumentation (PDF) angesehen und kam zu demselben Schluss.

Der Nutzer sollte stets wachsam sein und jede Anomalie sogleich melden. Und hinter dem Netzwerk-Team müssen fähige und kompetente Mitarbeiter stehen, die auf Probleme rasch und korrekt reagieren. Facebook steht zu Recht im Schlussfeld und in der Kritik der Datenschützer.

Nachtrag 16. November 2011, 14:55 Uhr: Diesen Nachtrag muss ich nun doch noch bringen. Nun ist bekannt, wie die Facebook-Pornospammer agiert haben. Sie nutzen dazu die Nutzer selbst. Laut Golem:

Sie kopierten einen Link mit Javascript-Schadsoftware in die URL-Zeile ihrer Browser, führten ihn aus und verbreiteten damit die Bilder.

Die User haben sich dadurch quasi selbst gehacked. Das spricht auch dafür, dass viele Menschen im Internet zu unvorsichtig und leichtgläubig sind. Trotzdem ändert es an der mangelnden Sicherheit von Facebook selbst nichts. Außer, dass das soziale Netzwerk dadurch noch unsicherer wird.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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