Floppt Google+ irgendwann?

Google+ hat erst vor wenigen Tagen die Fanseiten eingeführt. Unternehmen haben schon länger darauf gewartet. Logisch, dass sie sich nun wie die Geier auf dieses neue Feature stürzen. Google erschwert es den Nutzern von Google+ zusehends. Ein großes Problem ist beispielsweise der rigorose Klarnamenzwang. In der Anfangsphase dieses noch recht jungen sozialen Netzwerks führte ein Pseudonym, anstelle des realen Namens, zu einer kompletten Sperrung des Google Accounts. Dieser war dann nur via Handy wieder freischaltbar. Das Profil und damit verbundene Dienste waren gesperrt bzw. nur eingeschränkt nutzbar. Bis heute hat sich nur so viel geändert: Man bekommt bei einem solchen Verstoß eine Mitteilung und nach 4 Tagen wird das Profil gesperrt, der restliche Account bleibt davon unberührt.

Screenshot - Google+ Startseite
Screenshot – Google+ Startseite

Diese Richtlinie macht es Menschen schwer, die auf Anonymität setzen müssen oder wollen. Damit grenzt Google Personengruppen aus. Bei Unternehmen schaut dies nicht anders aus. Selbst diese waren von Sperrungen betroffen. Man konnte die Marke eben nicht korrekt vertreten. Google äußerte sich eiskalt zu diesem Thema: Keiner zwingt einen dazu Google+ zu nutzen und die Unternehmen sollen noch warten. Google+ sei noch in der Testphase und nicht offen für alle.

Zur Klarnamenpolitik heißt es dazu in den Google+ Richtlinien:

Verwenden Sie den Namen, mit dem Sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden. Dies dient der Bekämpfung von Spam und beugt gefälschten Profilen vor. Wenn Ihr voller Name beispielsweise Sebastian Michael Müller ist, Sie normalerweise aber Bastian Müller oder Michi Müller verwenden, sind diese Namen auch in Ordnung.

Screenshot - Google+ Features
Screenshot – Google+ Features

Mit der Anbindung an Google Apps und die Fanseitenfunktion soll sich dies ändern. Jedoch bieten die Seiten nur einen beschränkten Handlungsrahmen. Eingerichtet sind die Seitenprofile schnell, doch man kann das Design nicht anpassen. Lediglich Informationen einbinden und das Unternehmen mittels Avatar und der Bilderfunktion repräsentieren. Mehr ist nicht drin.

Screenshot - Google+ Seite auf Google+
Screenshot – Google+ Seite auf Google+

Gewinnspiele sind auf Google+ untersagt

In den Richtlinien zu den Fanseiten steht im genauen Wortlaut nun noch folgendes:

Sie dürfen Wettbewerbe, Gewinnspiele, Angebote, Gutscheine und ähnliche Werbeaktionen (im Folgenden zusammenfassend “Werbeaktionen”) nicht direkt auf Ihrer Google+ Seite durchführen oder anbieten. Stattdessen können Sie von Ihrer Google+ Seite auf eine separate Website verlinken, auf der die Werbeaktion durchgeführt wird. Dies ist jedoch nur unter der Voraussetzung erlaubt, dass Sie die volle Verantwortung für die Werbeaktion tragen und dafür sorgen, dass sämtliche geltenden Gesetze und Vorschriften der staatlichen und nichtstaatlichen Gebietskörperschaften, in denen die Werbeaktion angeboten oder für sie geworben wird, eingehalten werden. Die Durchführung Ihrer Werbeaktion darf nicht gegen die Richtlinien für die +1-Schaltfläche, die Google+ Datenschutzbestimmungen oder die zusätzlichen Nutzungsbedingungen für Google+ Seiten verstoßen. Google ist berechtigt, Inhalte zu Ihrer Werbeaktion ohne Angabe von Gründen von Ihrer Google+ Seite zu entfernen.

Gewinnspiele und Events stellen für Unternehmen einen wichtigen Anreiz im Social Media Bereich dar. Facebook bietet diese Funktion bereits mit einigen Apps an, um das Erstellen zu erleichtern. Damit kann man als Firma sein Image aufbessern und gleichzeitig einen Mehrwert für die Fanseite schaffen. Die Kunden wissen dann auch, wieso sie die Seite auf Facebook ansteuern und eben nicht die Google+ Seite. Auf Grund dieser Dinge ist Google+ für Unternehmen wenig attraktiv.

Screenshot - Google+ Seite erstellen
Screenshot – Google+ Seite erstellen

Google sollte die Richtlinien nochmal überarbeiten

Google sollte sich wirklich noch einmal hinsetzen und die Richtlinien überarbeiten, im Interesse aller Parteien. Es darf nicht sein, dass man Nutzer ausschließt, nur weil diese ihren wahren Namen nicht angeben können oder wollen. In manchen Ländern, wie zum Beispiel China, wäre es undenkbar, das ein chinesischer Journalist, unter richtigen Namen, negativ über sein Regime berichtet. Das wäre sein sicherer Tod. Zum andern spricht sich Google immer wieder für Pseudonyme aus und betonte mehr als einmal, wie wichtig das sei. Bei ihrem eigenen Netzwerk hingegen scheint es nicht mehr zutreffend zu sein.

Für Unternehmen müssen auch bessere Richtlinien her, so dass auch ein Vorteil gegenüber anderen Netzwerken gegeben ist, sich auf Google+ zu präsentieren. Auf YouTube ist es schließlich auch möglich das Channel-Design weitestgehend frei anzupassen. Und Events gehören einfach für ein Unternehmen in sozialen Netzwerken dazu, da muss Google mitziehen.

Screenshot - Google+ Seite eingerichtet
Screenshot – Google+ Seite eingerichtet

Sollten sich die Richtlinien nicht innerhalb geraumer Zeit ändern und verbessern, werden sich wohl viele von diesem Netzwerk abwenden. Das wäre äußert schlecht für Google, da man bereits alles daran setzt, alles an Google+ anzupassen und der Suchmaschinenbetreiber mit Daten eben auch viel Geld verdient. Da wäre es nur im Interesse aller, zufriedene Nutzer und Firmen zu haben.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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