Solidarität im Internet

Dieses Thema kommt mir bald täglich unter. Der eine meckert rum, weil die und die Software schon vor der Veröffentlichung geleakt wurde und der andere beschwert sich, dass sich der andere drüber aufregt. Die Problematik soll an einem aktuellen Beispiel wieder einmal deutlich werden. Mozilla hat die Finalversion von Firefox 8.0 bereits veröffentlicht (ich berichtete). Es wird zwar immer wieder gesagt, dass dies noch nicht die endgültige Fassung sein muss, aber man kann schon meist davon ausgehen. Nun regen sich einige darüber auf, dass Newsseiten schon vor Release die neue Version vorstellen und anbieten. Wessen Schuld ist es nun? Die von Mozilla oder die der Newsseiten und Ungeduldigen.

Mozilla

Von Mozilla, weil sie ihre FTP Server diesbezüglich nicht richtig konfiguriert haben. Zudem wird die vorläufige Version nicht als weitere Beta oder Release Candidate (RC) deklariert. Wenn man sich die neue Version also einfach laden kann, dann steht sie doch allen zur freien Verfügung, selbst wenn es sich um die finale Vorabversion handelt. Wenn Mozilla die Rechtevergabe nicht richtig setzt, ist das in erster Linie deren Problem. Ein Unternehmen kann sein Netzwerk auch nicht einfach ungeschützt lassen und dann alle Schuld von sich wegschieben, wenn jemand eindringt. Dann ist das Unternehmen genauso schuldig. Das ist zwar ein krasses Beispiel, aber trifft den vorliegenden Sachverhalt doch recht gut.

Die Newsseiten

Andererseits sind aber auch die Newsseiten und Ungeduldigen unter uns daran schuld. Klar, man könnte auf die Weisungen von Mozilla hören und die Zeit abwarten. Die Versionen auf den Mozilla FTP Servern sind eben mehr für Webentwickler und Programmierer gedacht. Gut, das kann man verstehen. Trotzdem muss man sich überlegen, wie solidarisch das Internet ist und vor allem die User selber sind.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, macht im Internet jeder was er will und alles was kostenlos ist, wird sofort genommen. Man denke nur einmal an illegale Downloads von Filmen, Musik und so weiter. Das Risiko erwischt zu werden, ist nicht all zu groß und die Hemmschwelle sinkt bei so etwas sehr schnell. Das führt dann meist dazu, dass man sich das Geld spart und den Film gleich gratis lädt. Da ist von Solidarität keine Rede. Bei neuer Software ist es nicht anders. Die meisten von uns freuen sich einen Ast ab, wenn sie die neuste Programmversion vor allen anderen haben und damit mächtig angeben können. Ist doch so, bei vielen einfach nur menschlich.

Fazit

Die Medaille hat immer zwei Seiten und reines Schwarz/Weiß-Denken bringt einen da auch nicht weiter. Neue Software sollte nie vor einer offiziellen Veröffentlichung frei verfügbar sein. Sonst schießen sich die Hersteller selbst ins Bein. Man kann mit dem guten Willen der User einfach nicht mehr rechnen. Wenn der Gedanke bei einigen doch noch vorhanden ist, dann ist dies schön und gibt einem das Gefühl, das es noch anständigere User gibt.


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Autor: Markus Werner (reraiseace) Twitterreraiseace, Google+reraiseace, Twittercb_werner
Ich bin Redaktionsvolontär bei der COMPUTER BILD in Hamburg, Fernstudent am Deutschen Journalistenkolleg und schreibe auf re{raise}ace privat über Webdesign und Programmierung. Seit 2015 schrieb ich auch regelmäßig für andere Medien.

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